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Sambia News 13.3.2021
    Autor:Werner Huber
    Datum:13.03.2021 17:24:45

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Sambia-News 13.3.2021

Liebe Interessierten,

in diesem Brief werden Sie einen Kontrast erleben zwischen der Realität der erbärmlichen Wohnverhältnisse und Perspektive vieler Menschen in Sambia und der Möglichkeit, wie sich junge Menschen unter guten Umständen entwickeln können. Dies ist ja gerade einer der Hauptgründe, weshalb Sie und wir in Bildung und Ausbildung von Kindern in Sambia investierten. Wieder ganz herzlichen Dank für die teilweise sehr großzügigen Spenden, die uns in den letzten Wochen erreichten, in einer Zeit, in der wir wieder jeden Euro dringend benötigen.

Zunächst zu unserem bevorstehenden größten Projekt, dem Schulbau in Fountain Gate. Ich hatte darüber berichtet, dass sich die Schülerzahl mehr als verdoppelt hat und neue Schulräume geschaffen werden müssen. Im optimalen Fall planen wir ein zweistöckiges Gebäude mit etwa 1000 m² Nutzfläche mit 12 Klassenräumen, WC’s und Nebenräumen. Das kostet insgesamt etwa 200.000 €. Da die Beantragung eines 75%-BMZ-Zuschusses (Deutsches Entwicklungsministerium) sehr aufwändig ist, hatte ich eigentlich vor, diese Möglichkeit nicht mehr zu nutzen. Dann fiel mir ein BMZ-Rundschreiben in die Hände, dass die Bundesregierung zusätzlich 150 Mio, Euro für Projekte in den 46 ärmsten Ländern (darunter Sambia) freigegeben hat, u.a. für Bildungsprojekte. Daraufhin habe ich doch eine Anfrage gestartet. Man musste bis 15.3. das Projekt beschreiben und erhält dann zeitnah Nachricht, ob man eine Chance auf Förderung hat. Falls man mir gute Aussichten einräumt, mache ich mir natürlich auch die Arbeit, einen umfangreichen Projektantrag auszuarbeiten. Ich werde Sie über die weitere Entwicklung informieren.

Dann möchte ich etwas Schönes berichten, die Geschichte von Esther, siehe auf obigem Foto links, daneben Schwester Joyce. Sie kam als Vierjährige in einem schlechten Zustand nach Fountain Gate, nachdem ihre Mutter gestorben war und ihre Großmutter mit ihr und ihrer unheilbar kranken Schwester hoffnungslos überfordert war. Irgendwann bat die Oma um Hilfe, da sie nicht in der Lage war, sich um die Kinder zu kümmern, weitere Angehörige waren nicht bekannt.

Im Kinderdorf blühte Esther dann rasch auf. Sie nahm regen Anteil am Gemeinschaftsleben und gewann schnell Freunde. Auch fand sie einen lebendigen Glauben an Jesus. Bei der Tauffeier gab Esther in bewegender Weise Einblick in ihr Leben. Zunehmend übt sie auch einen positiven Einfluss auf die anderen Kinder im Kinderdorf aus. Inzwischen folgen andere Kinder ihrem Vorbild. Mit einigen Freunden hat sie eine Gesangsgruppe gegründet, die zu einer Jugendgruppe wurde. Esther ist inzwischen eine begabte Leiterin mit ansteckender Begeisterungsfähigkeit. Sie setzt sich auch sehr für ihre kranke Schwester Joyce ein, die sich trotz ihres Leidens blendend entwickelt.

Dann hatte ich über unsere neu begonnene Arbeit berichtet, uns an der Versorgung bedürftiger Tageskinder in Fountain Gate mit mtl. 2000 € zu beteiligen. Die meisten dieser Kinder kommen aus dem etwa 5 km entfernten Bagdad Compound. Dieser Slum ist überwiegend Wohnort von Analphabeten und Arbeitslosen. Er ist von einer Menge Bars umgeben und es gibt viel Alkoholmissbrauch und viele Frühehen unter den Jugendlichen. Einige der Bewohner haben Gelegenheitsjobs in Farmen der Umgebung. In diesem Stadtteil gibt es keine vernünftigen Straßen, keine Schulen, keine medizinischen Einrichtungen und keine zuverlässige Trinkwasserversorgung. Die einzige staatliche Schule ist 8 km entfernt. Wegen der großen Entfernung mit weitem Schulweg hat die Schule immer wieder die Aufnahme von Kindern aus dem Bagdad Compound verweigert.

Auch heute möchte ich wieder eines der Tageskinder vorstellen. Adam (Name geändert) lebt im Bagdad Compoud mit seiner Mutter, zwei Schwestern und zwei Brüdern. Der Vater hat die Familie verlassen, sein Aufenthaltsort ließ sich nicht ermitteln. Die Sechs leben in einem desolaten Ein-Zimmer-Haus, für das sie noch etwa 10 € monatliche Miete zahlen müssen, das ist dort viel Geld. Adam ist 9 Jahre alt und der einzige der Familie, der zur Schule geht. Die Geschwister wurden von der Schule verwiesen, weil sie die Schulgebühren nicht bezahlen konnten. Die Fountain Gate Schule ist für ihn 4 km entfernt, die er zu Fuß gehen muss. Die älteren Geschwister versuchen, durch Gelegenheits-Hilfsarbeiten der Mutter dabei zu helfen, die Familie mit einer Mahlzeit pro Tag zu ernähren. Adam ist jetzt den ganzen Tag in Fountain Gate, besucht die 2. Klasse der Schule, erhält alle Mahlzeiten und alles andere, das er braucht. So ist er auch vor Kinderarbeit geschützt und auch seine Familie profitiert von seiner guten Versorgung.

Eine kleine positive Randnotiz. Sie erinnern sich, dass wir vor Jahren etliche Container mit Schulmöbeln nach Sambia geschickt haben. Nun erfuhr ich, dass unsere Partner eine Fertigungshalle für Möbel gebaut haben. Dort wurden bereits über 1000 Schulstühle und viele Tische gefertigt. Dadurch haben einige Leute eine Arbeitsstelle gefunden. Erfreulich, oder?

Covid-19 ist unterschwellig auch in Sambia ein großes Problem und wird es auch weiter sein, weil dort wohl in absehbarer Zeit nicht mit Impfstoff zu rechnen ist. Da kaum getestet wird, kennt man das eigentliche Ausmaß nicht wirklich. Offiziell gibt es inzwischen 1100 Corona-Tote. Eine Studie von Forschern der Boston University an 364 Toten in Sambia hat ergeben, dass 20% von ihnen an Covid 19 gestorben waren. Rechnet man das auf die 255.000 Todesfälle im letzten Jahr hoch, käme man auf über 50.000 Corona Tote. Nicht sehr beruhigend. Es sind auch schon bekannte Leute des öffentlichen Lebens gestorben.

Wir sind aber froh, dass die Arbeit unserer Partner dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt ist. So können wir weiter dabei helfen, dass aus Kindern wie Adam solche wie Esther werden. Danke für alle, die dafür mit uns an einem Strang ziehen.

Herzliche Grüße, Ihr Werner Huber, Vorsitzender