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Sambia Update 2.2.2021
    Autor:Werner Huber
    Datum:03.02.2021 15:01:16

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Sambia-Update 2.2.2021

Liebe Sambia-Familie,

bei unseren Partnern und in den Projekten hat sich wieder viel ereignet. Es gibt viel Gutes zu berichten, doch leider gab es wie unten beschrieben auch Rückschläge. Aber auch das passiert und wir wollen uns dadurch nicht entmutigen lassen. Ganz herzlichen Dank für alle Spenden, die auch schon im neuen Jahr eintrafen. Was würden wir ohne Sie, unsere lieben Spender machen?

Ich habe bereits im Jahresbericht erwähnt, dass wir begonnen haben, die Versorgung der z.Zt. etwa 50 bedürtigen Tageskinder in Fountain Gate mit mtl. 2000 € zu unterstützen, neben der Basisversorgung der Fountain Gate Waisen mit 6000 € mtl. Es ist wirklich eine Aufgabe der Barmherzigkeit, diesen Arbeitszweig zu unterstützen. Von einigen dieser Kinder liegen mir die Geschichten und Bilder vor, auch von ihrer schwierigen häuslichen Situation. Sie sind oft ähnlich. Beispielhaft will ich hier die Brüder Jones und Samuel (Namen geändert) vorstellen. Vielleicht lässt sich der eine oder andere von dieser wichtigen Arbeit ansprechen, denn natürlich bin ich dankbar für jede Unterstützung auch für diesen Arbeitsbereich.

Beide Kinder leben bei ihrer Mutter, die Witwe ist, im Bagdad Compound ca. 5 km entfernt. In einem der nächsten Rundbriefe werde ich diesen Compound etwas beschreiben, denn die meisten Tageskinder kommen dorther. Die ganze Familie wohnt in einem schmalen Raum ohne Fenster, siehe obiges Foto. Es gibt keine Möbel und sie müssen Wasser aus einem Brunnen holen. Sie schlafen alle auf einer alten Matratze und haben nur eine Decke, mit der sie alle einschließlich Mutter, zugedeckt werden. Die Mutter ist abhängig von Gelegenheitsjobs auf den umliegenden Farmen. Sie essen nur eine Mahlzeit am Tag. Die wenige Kleidung und Schuhe tragen sie ständig. Die beiden Brüder kommen zu Fuß nach Fountain Gate und bekommen dort 3 hochwertige Mahlzeiten täglich. Ebenfalls erhalten sie Kleidung, Schuhe und Schuluniform, auch Bücher und alles Notwendige wie Medizin. Der Schulweg ist fast 6 km lang, Die Jungen gehen in die 3. bzw. 4. Klasse.

Von  solchen bedürftigen Kindern gibt es viel mehr, als Chreso Ministries unterstützen könnte, es existiert inzwischen eine lange Warteliste. Die Tageskinder werden in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt ausgesucht, mit einem Check vor Ort und mit einer Einschätzung des Compound-Chiefs. Es ist klar, dass die Familien selbst keinen Unkostenbeitrag für die Versorgung leisten können. Auch gibt es kein Amt, das für diese Kinder einen Zuschuss gewähren würde. Die Tageskinder sind den ganzen Tag in Fountain Gate und gehen nur zum Schlafen zu Fuß nach Hause. Tagsüber werden sie im Kinderdorf wie die anderen Kinder behandelt. Es ist eine tolle Arbeit, auch diesen Kindern eine Schulbildung zu vermitteln, die sie sonst nicht bekämen. Bei diesem Konzept wird auch eine Heimaufnahme vermieden.

Leider gab es kürzlich auch in Sambia eine zweite Welle von Covid-19 Erkrankungen, die heftiger als die erste war. Trotzdem hält sich die Zahl der gemeldeten positiv Getesteten im Vergleich zu der Situation in Deutschland in Grenzen. Gerade lag dort der 7-Tages-Inzidenzwert bei 44 pro 100.000 Einwohnern. Die negativen wirtschaftlichen Folgen sind weiter katastrophal. Es gibt deutlich mehr Armut, Elend und Hunger. Auch wenn ich von Monat zu Monat nicht weiß, woher ich das Geld bekomme, versuche ich, weiter mtl. 4000 € für Hungerhilfe zu überweisen. Zuletzt erhielten mit unserem Geld etwa 1500 Personen Lebensmittel.

Nun zu den negativen Nachrichten. Vor einigen Wochen gab es im Versorgungsraum von Fountain Gate einen Brand, der alle Batterien, die Verteilung und Kabel der Photovoltaik-Anlage zerstört hat. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden, auch konnte verhin-dert werden, dass sich der Brand auf andere Gebäudeteile ausweitete. Ob der Schaden von einer Versicherung bezahlt wird, ist äußerst fraglich. Z.Zt. wird gerade das genaue Ausmaß des Schadens ermittelt und wie man Abhilfe schaffen könnte.

Vor etwa zwei Wochen wurde nachts im Privathaus von Pastor Reutter eingebrochen, während er und seine Frau einige Zimmer weiter im gleichen Stockwerk schliefen. Dabei wurden alle im Haus vorhandenen PC‘s gestohlen einschließlich der Datensicherung. Schlimmer als der Verlust der Anlagen sind nun die von einem ganzen Jahr fehlenden Daten. Da auch gleich die Kamera mit gestohlen wurde, sind wertvolle Bilder von Abschlussfeiern etc. weg. Wegen eingeschränkter Mobilität durch Corona waren auch andere PC’s im Haus der Reutters, die sonst an anderen Plätzen stationiert sind. Man kann von Glück sprechen, dass die Reutters den Einbruch nicht bemerkten, denn es müssen mehrere Einbrecher gewesen sein und die ge-hen in Sambia oft brutal vor. Wer weiß, was diese sonst mit dem Hausherrn gemacht hätten.

Im Jahresbericht hatte ich erwähnt, dass sich die Schülerzahl die Fountain-Gate-Schule innerhalb kurzer Zeit auf etwa 400 Schüler verdoppelt hat. Es sind nicht nur die Tageskinder dazu gekommen, sondern durch die Zulassung des Gymnasialen Zweiges kommen Kinder dazu, ebenso durch die dadurch verbesserte Attraktivität. Dies trägt zur Nachhaltigkeit des Kinderdorfes bei, denn nun kommen auch vermehrt Kinder aus besser gestellten Familien zur Schule, die in der Lage sind, Schulgeld zu zahlen. Es war schon länger abzusehen, dass die Klassenräume nicht mehr ausreichen. Deswegen muss ein neues Schulgebäude gebaut werden. Wir planen ein zweiflügliges Schulgebäude in U-Form wie die GOCA-Schule in Lusaka. Wenn ich alle Zahlen zusammen habe, werde ich voraussichtlich einen Zuschuss bei der Niedersächsi-schen Bingo-Umweltstiftung beantragen. Im nächsten Rundbrief kann ich wohl mehr berichten.

Herzliche Grüße, Ihr Werner Huber, Vorsitzender