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Neues aus Sambia 21.4.2020
    Autor:Werner Huber
    Datum:21.04.2020 19:05:18

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Sambia-Infos 21.4.2020

Liebe Freunde und Mitstreiter,

Leider kann ich nicht die Augen verschließen vor dem, was bei unseren Projekten in Sambia im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie passiert. Es ist nicht damit getan, dass wir unsere Projektreise nach Sambia storniert haben, auch dann können wir nicht einfach alles vergessen, was dort passiert. Wenn ich heute über die dortige Situation berichte, ist mir durchaus bewusst, dass auch viele von Ihnen betroffen sein werden. Ich kann es gut verstehen, wenn jemand für einige Zeit das Geld für sein Patenkind oder regelmäßige Spenden nicht zusammen bekommt. Das bekommen wir gemeinsam hin. Kinder wie stellvertretend die obige 14-jährige Vollwaise in Fountain Gate motivieren uns, weiter zu helfen. Ich bin froh, dass die Kinder im Kinderdorf und in den anderen Projekten gesund geblieben sind, trotzdem gibt es für unsere Partner überall Beeinträchtigungen. Obwohl es im Land aktuell nur 65 bestätigte Covid-19 Fälle mit 3 Todesfällen gibt, ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen. Das ganze Land ist dadurch geprägt. Ich zitiere aus einem Schreiben, das ich von Pastor Reutter erhielt:

„….Alle Schulen mussten geschlossen werden, aber unser Kinderheim Fountain Gate können und wollen wir natürlich nicht schließen. Unsere Hausmütter dürfen keine freien Tage und auch keinen Urlaub mehr nehmen. Sie und die Kinder müssen auf dem Gelände bleiben, auch dürfen keine Besucher hinein.

Auch bei unseren Ambulanzen können wir niemand in Urlaub schicken, dort herrscht Hochbetrieb, das Aufkommen an Hilfesuchenden ist deutlich gestiegen. Alle sind natürlich besorgt. Außerdem sind viele staatliche Einrichtungen ganz auf Corona umgestellt und behandeln keine sonstigen Kranken.

In Zambia wie auch im südlichen Afrika fängt jetzt der Winter an. Der ist zwar nicht vergleichbar mit einem Winter in der nördlichen Erdkugel aber ebenso gravierend für die Menschen. Da es keinerlei Heizungsmöglichkeiten gibt und die Temperaturen bis knapp über den Gefrierpunkt abfallen können, werden die Menschen sehr schnell unterkühlt. Juni und Juli sind die Monate mit den niedrigsten Temperaturen. Das ist die Zeit wenn überall die Grippe umgeht. Wenn da dann noch Corona ins Spiel kommt, kann man sich leicht ausmalen, was da auf uns zu kommt. Die WHO hat schon gewarnt, dass sie in Afrika über 10 Millionen Infizierte erwarten.Die Regierung rät dringend, dass die Menschen zuhause bleiben. In den dichtbesiedelten Wohngebieten ist das aber fast gar nicht möglich. Viele Menschen gehen nur ins Haus um zu schlafen, da die Häuser total überfüllt sind. Mit der Hygiene ist es in diesen Stadtvierteln auch nicht weit her, da immer mehrere Familien einen Wasserhahn benutzen und auch nur eine sehr einfach offene Toilette gemeinsam benutzen. Zuhause bleiben ist für diese Menschen auch keine Option, da sie nur dann etwas zu essen haben, wenn sie tagsüber versuchen genug Geld zu verdienen um sich für diesen Tag ein Essen zubereiten zu können. Viele Frauen verkaufen Lebensmittel an der Strasse, wo es aber auch nicht sehr hygienisch zugeht. Aus diesem Grund hat die Regierung bisher noch keine Ausgangssperre verhängt. Die wird aber über kurz oder lang kommen. Wie es dann weitergehen soll, kann man sich im Moment noch nicht vorstellen.

Inzwischen steigen die Preise für fast alles sehr stark. Bei jedem Einkauf sind sie wieder gestiegen. Inzwischen sehen wir 25-40% höhere Preise. Auch unsere Währung ist kolossal abgestürzt. Seit Anfang des Jahres ist sie um ca. 60% gefallen. Da wir ein Importland sind, wo fast alles aus dem Ausland eingeführt wird, werden die Preise auch mindestens um diese Marge steigen. Plötzlich ist unser Geld fast wertlos geworden. Das Geld das wir erwirtschaften kann unsere Kosten nicht mehr decken. Wir haben viele unserer Leute in Urlaub geschickt, do wo es möglich ist. Wir wollen ihnen so lange wie möglich nicht kündigen, denn dann haben sie gar nichts mehr zum Überleben.

Unsere Lebensmittelverteilung ist nun wichtiger als je zuvor, da es die Ärmsten immer als Erste trifft. Die letzte Verteilung fand in der vergangenen Woche statt. Überall spürt man, dass der Druck die Menschen stark belastet. Viele Arbeiter sind bereits entlassen worden. So sind wir dankbar, dass wir trotz allem mit Eurer Hilfe doch auch solchen Leuten noch unter die Arme greifen und  sie ermutigen können. Staatliche Hilfen gibt es für die Menschen nicht.Jeden Tag suchen wir nach Möglichkeiten wie wir einigermaßen über die Runden kommen. Zurzeit versuchen wir, jeden Kwacha den wir irgendwie aufbringen können zu verwenden um die noch ausstehenden Gehälter unserer Mitarbeiter zu bezahlen.“

Als erste Hilfe habe ich zusätzlich zu den regelmäßigen Zahlungen 2000 € überwiesen mit der Ankündigung, dies in den nächsten beiden Monaten zu wiederholen. Wer kann dabei helfen, dass wir diese Summe von insgesamt 6000 € zusammen bekommen? Alles, was gespendet wird, werde ich zeitnah zu 100% an unseren Projektpartner weiter schicken.

Viele Grüße, Ihr Werner Huber, Vorsitzender