R u n d b r i e f e
»
Sambia News 1.11.2019
    Autor:Werner Huber
    Datum:31.10.2019 13:42:03

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:
Sambia-Infos 1.11.2019

Liebe Freunde und Förderer,

voraussichtlich das letzte Mal in diesem Jahr möchte ich Sie mit neuen und - hoffentlich auch für Sie - interessanten Fakten unseres Engagements in Sambia informieren. Ich würde mich freuen, wenn Sie darin bestätigt werden, dass diese Arbeit unterstützenswert ist. Glücklich und erleichtert bin ich, dass zwei große und wichtige Projekte in den letzten Wochen erfolgreich abgeschlossen werden konnten, auch wenn noch nicht alles Geld dafür zusammen kam. Bei jedem der Projekte muss man daran denken, dass mit jedem investierten Euro Kinder begünstigt werden, die „übrig geblieben“ sind oder „weggeworfen“ wurden wie Abfall. Ich denke z.B. an Matilda (Name geändert), die vor 2 Jahren als Vierjährige zusammen mit ihrem 8 Monate alten Bruder nach Fountain Gate kam, weil sie von der eigenen Mutter ausgesetzt worden waren. Jetzt ist sie ein frohes Mädchen und besucht die Vorschule. Solche Geschichten motivieren mich, weiter zu machen.

Es dauert nicht mehr lange bis zur Advents- und Weihnachtszeit, in der es für uns selbstverständlich ist, dass wir genug zu essen haben. Sie erinnern sich, dass wir als Vereine jeden Monat mindestens 1000 € für Hungernde nach Sambia geben. Z.Zt. werden damit etwa 200 Personen regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt. Unsere Partner haben eine Liste von Unterernährten, die diese Hilfe  dringend benötigen. Personen, denen es dadurch besser geht, werden aus dem Programm genommen, andere rücken nach. Die Begünstigten erhalten einmal monatlich 10 kg Maismehl,  2 kg Sojamehl und Sojakonzentrat, 1 Flasche Öl u.a.m. Obwohl häufig auch andere Familienmitglieder mitessen, bewährt sich diese Art der Hilfe. Damit kann man die Leute natürlich nicht allein ernähren, es kann nur eine zusätzliche Hilfe sein. Sie selbst und ihre Familien müssen sich auch selbst helfen, soweit es möglich ist. Der Bedarf für eine Ausweitung unserer Hilfe wäre da, leider sind die nötigen Finanzen begrenzt. Nicht nur die Reutters werden mit hungernden Menschen konfrontiert, auch in einer Zeitschrift habe ich gerade gelesen, dass in Sambia z.Zt. viele Menschen unter Hunger leiden.

Die Kinder auf dem obigen Bild haben Grund zur Freude. In der zweiten Oktoberhälfte sind die von unserem Verein MGA finanzierten Arbeiten in Fountain Gate zum Bau einer Solar-Warmwasserversorgung von 18 Häusern nach einigen Herausforderungen erfolgreich beendet worden. Den Teil einer solchen Anlage kann man auch auf dem Foto sehen. Bei der Einfuhr des Containers gab es ein Problem mit dem Zoll. Obwohl ein Beamter den Container geöffnet hatte und den Inhalt inspizierte, wollte er nicht glauben, dass es sich um die in den Papieren deklarierten Solar-Warmwassererzeuger handelte. Er behauptete hartnäckig, dass es medizinische Geräte seien. Zum Glück gibt es Frau Reutter, die in solchen Fällen energisch einschreiten kann. Leider fielen aber zusätzliche Zoll- und Standgebühren an. Widerspruch gegen Beamte ist in Sambia zwecklos.

Jedenfalls herrscht nun große Freude, alle Schwierigkeiten sind vergessen, es gibt jetzt genügend warmes Wasser in den Häusern, z.B. zum Duschen. Können Sie sich das Glück der Kinder vorstellen? In der zehnjährigen Geschichte von Fountain Gate gab es das noch nicht. Es war für uns ja ein finanzieller Kraftakt, die nötigen 73.856 € zusammen zu bekommen, aber es hat sich gelohnt. Was mich auch entspannt: die nötige umfangreiche Abrechnung ist bereits bei der Bingo-Umweltstiftung eingereicht. In Kombination mit der vor 2 Jahren gebauten Photovoltaikanlage ist die Solar-Warmwasserbereitung ideal. Z.Zt. gibt es im öffentlichen Stromnetz von Fountain Gate jetzt am Ende der Trockenzeit täglich Stromabschaltungen von 8 bis 10 Stunden. In Sambia werden nämlich über 90% des Stroms durch Wasserkraft erzeugt, und gerade führt der Sambesi deutlich weniger Wasser als in der Regenzeit. Da der Strom für die Pumpe der neuen Wasserversorgung auch der PV-Anlage mit Batterien entnommen wird, kann sie durchgängig arbeiten.

Gerade habe ich aktuelle Bilder und Infos über einige Patenkinder aus Fountain Gate erhalten und an die Paten weitergereicht. Ich hoffe, dass ich auch von den übrigen Kindern Aktuelles erfahre. Jedenfalls freue ich mich immer wieder zu sehen, was aus diesen traumatisierten Kleinen geworden ist, wie sie glücklich sind und sich gut entwickeln. Viele gehen auf das Gymnasium, manche studieren, z.B. für den Beruf der Grundschullehrerin, Krankenschwestern oder Clinical Officer. In diesem Jahr müssen ja die Kinder, die erstmals in die Oberstufe kamen, nicht mehr in eine externe Schule gebracht werden, sondern konnten in die neu gegründete 10. Klasse der Fountain Gate Schule gehen. Das ist eine große Entlastung für die Kinder und für Fountain Gate und liegt ja daran, dass der SFV im vergangenen und diesen Jahr für 60.000 € - ebenfalls mit Zuschuss der Bingo-Umweltstiftung – ein Schullabor gebaut hat. Es ist jetzt fertiggestellt und deshalb hat nun das Gymnasium von Fountain Gate eine staatliche Anerkennung. Aber natürlich gibt es nicht nur begabte Kinder, die zum Gymnasium gehen. Beim letzten Besuch in Sambia fiel mir ein Junge auf, der mir weniger begabt erschien und ich überlegte, ob er überhaupt die Schule abschließen kann. Jetzt erfuhr ich, dass er nach einigen Anläufen doch die Realschule erfolgreich abgeschlossen hat und nun eine Ausbildung in einer KFZ-Werkstatt macht, wo er glücklich ist, weil es ihm liegt.

Auch von der Eröffnung des Labors habe ich schöne Bilder. Alle, die in diesem Jahr eine Geldspende geschickt haben, erhalten ja in etwa 2 Monaten in den ersten Tagen des neuen Jahres eine Spendenbescheinigung. Mit dieser Bestätigung schicke ich ein schönes Bild von fröhlichen Schulkindern mit Lehrerin im fertigen Labor an den Spezial-Labortischen beim Experimentieren. Die Arbeit von Fountain Gate wächst von Jahr zu Jahr. Erinnern Sie sich noch, als wir mit weniger als 100 Kindern dort gearbeitet haben, inzwischen sind es etwa 350. Davon sind 130 Waisenkinder, die dort wohnen und in die Schule gehen. 60 vernachlässigte, bedürftige Kinder kommen aus der näheren Umgebung und werden in Fountain Gate voll versorgt. Sie sind nur zum Schlafen in ihren Dörfern. Weitere 60 Kinder besuchen das Internat. Sie wohnen also auch in Fountain Gate und besuchen die Schule, obwohl sie keine Waisenkinder sind. Etwa 100 Kinder kommen nur zum Schulbesuch nach Fountain Gate. Leider können die meisten kein Schulgeld zahlen.

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diesen Brief zu lesen. Natürlich hoffe ich, dass es auch künftig Unterstützer gibt, die gerne finanziell mithelfen. Keiner sollte sich gedrungen fühlen, etwas zu geben, aber ich sehe immer wieder Menschen, die uns mit großer Freude helfen. Das ist großartig und berührt mich immer wieder. Auch Patenschaften für ein Kind in Fountain Gate schließen wir gerne ab, komplette Patenschaft 60 € mtl., oder halbe für 30 €.

Viele Grüße, und wieder ganz herzlichen Dank, Ihr Werner Huber, Vorsitzender