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Rundbrief vom 22.2.2015
    Autor:Werner Huber
    Datum:21.02.2015 19:00:44

Sambia Förderverein e.V. Rundbrief:


Rundbrief vom 22.2.2015

Hallo liebe Sambia-Freunde,

hier – wie angekündigt – der erste gemeinsame Rundbrief für den Sambia-Förderverein und Millennium Goals Achievement e.V., da unsere Arbeiten deckungsgleich geworden sind, beide arbeiten ausschließlich für die Projekte unseres Partners Chreso Ministries in Sambia. Lassen Sie sich dadurch nicht verwirren. Jeder soll weiter den Verein als „seinen“ ansehen, den er kennt und über den er sich engagiert hat. Ich kann mich jetzt also doppelt bedanken. Herzlichen Dank für alle Spenden, die wieder für die Arbeit in Sambia hier eintrafen. Da gibt es Spender, die uns seit Jahren treu unterstützen. Darüber bin ich immer wieder bewegt. Aber auch Einzelspenden sind hochwillkommen.

Heute möchte ich Ihnen die Geschichte eines Kindes in Fountain Gate erzählen, nämlich von Joyce. Das obige Bild von ihr, mit dem traurigen Blick, habe ich im August 2014 gemacht, sie war erst etwa 2 Wochen vorher in der Einrichtung aufgenommen worden.

Sie ist im Februar 2009 geboren und hatte in Kabanana gewohnt, einen Compound Lusakas. Joyce ist Halbwaise und war nach dem AIDS-Tod der Mutter 2010 von ihrem Vater ausgesetzt worden. Sie selbst ist auch HIV-positiv und erhält eine entsprechende Behandlung. Als der Vater das Kind verstoßen hatte, nahm die Großmutter Joyce bei sich auf. Diese schaffte es aber nicht, das kleine Kind richtig zu ernähren und auch nicht für eine medizinische Behandlung zu sorgen. Um ihre Enkel besser ernähren zu können, zog sie auf das Land und wollte dort Mais trocknen und verkaufen. Allerdings gab es von dort keine Verkehrsverbindung in die Stadt, wo sie die Medikamente für Joyce hätte holen sollen. Der gesundheitliche Zustand des Kindes verschlechterte sich dramatisch, deshalb musste sie in eine Einrichtung, wo eine gute Behandlung gewährleistet ist. Die Großmutter erfuhr von Fountain Gate und bat dort um Aufnahme von Joyce. Inzwischen hat sie sich gut eingelebt und ist ein fröhliches Kind geworden.

Wie Sie wissen, finanzieren wir mit unseren beiden Vereinen die Versorgung der z.Zt. 85 Kinder von Fountain Gate. Monatlich überweise ich vom Sambia-Förderverein für jedes Kind 50 € und der Verein „Millennium Goals Achievement“ zahlt monatlich weitere 10 € pro Kind als Ausbildungspauschale für den Betrieb der Schule. Z.Zt. überweise ich also zusammen pro Monat 5100 € an Fountain Gate. Manchmal habe ich etwas Angst vor meiner eigenen Courage. Die Spenden lassen es z.Zt. zu, die Waiseneinrichtung auf diese Art zu unterstützen. Falls die Spenden weniger werden, kann ich aber nicht so einfach sagen: so jetzt geht es nicht mehr. Was sollte mit den Waisen geschehen? Ich vertraue da auf Gott, dass er weiter hilft und weiter  Herzen bewegt, diese Kinder zu unterstützen.

Noch eine traurige Geschichte muss ich Ihnen erzählen. Im Januar ist ein Kind in Fountain Gate gestorben, William. Er ist 10 Jahre alt geworden, war AIDS-krank und hat weder seine Mutter noch seinen Vater je kennengelernt. Trotzdem war er ein fröhlicher Junge, der oft die anderen Kinder ermutigt hat. Er hatte einen großen Glauben und liebte Jesus. Es ging ihm eigentlich in letzter Zeit gut. An dem Tag, an dem er starb, ging er nicht zur Schule und sagte der Hausmutter, dass er heute sterben würde. Diese nahm es wohl nicht so ernst und ermutigte ihn und sagte, dass sie nicht glaubt dass er sterben muss. Jedenfalls sagte William der Hausmutter, dass – wenn er stirbt – sie  sich besonders um ein bestimmtes Mädchen kümmern müsse, zu der er einen besonders guten Draht hatte und die sonst traurig wäre. Tatsächlich starb dann der Junge, für die meisten unerwartet, an diesem Tag. Es fand eine große Trauerfeier mit den anderen Kindern in der Gemeinde von Pastor Reutter in Lusaka statt. Dann wurde das Kind auf einem Platz des Friedhofes beerdigt, den Pastor Reutter für Sterbefälle in Fountain Gate vorher kaufen musste. Wie Sie sehen, muss man in Sambia mit anderen Realitäten leben.

Mehrfach habe ich darüber berichtet, wie umfangreich das HIV/AIDS-Programm unserer Partner in Sambia ist. In fünf Zentren des Landes (Kabwe, Livingstone, Siavonge, 2x in Lusaka) werden Tausende von AIDS-Patienten behandelt. Aber was sagen solche Zahlen?

Lassen Sie mich exemplarisch von einer Patientin berichten, die wir im August 2014 bei einem Hausbesuch in einem Dorf des Stammes der Lozi tief im Busch in der Westprovinz nahe der Grenze zu Namibia kennenlernten, weit entfernt von einer Asphaltstraße.

Das Netzwerk der Versorgung von AIDS-Patienten durch Chreso Ministries ist inzwischen weit gespannt. In der Stadt ist natürlich die Versorgung leichter. Hier auf dem Land ist die Behandlung aufwändig, aber wie gut, dass auch hier den Menschen geholfen wird. Die AIDS-kranke Frau, die wir besuchten, war 27 Jahre alt. Sie war von ihrem ersten Mann mit dem HI-Virus infiziert worden. Vor etwa einem Jahr hat dann die junge Frau einen Schlaganfall erlitten. Der rechte Arm und das rechte Bein sind teilweise gelähmt, deshalb humpelt sie und kann den rechten Arm kaum bewegen. Hilfsmittel hat sie nicht. Sie ist jetzt mit einem 70-jährigen Mann verheiratet, der sie liebevoll versorgt. Darüber ist sie sehr dankbar. Allerdings sind die beiden sehr arm, sie freuten sich über die Lebensmittel, die wir mitbrachten.

Bei einer friedlichen Wahl, wurde im Januar in Sambia ein neuer Präsident gewählt: Edgar Changwa Lungu. Er wurde am 11.11.1956 in Ndola/Sambia geboren, besuchte die Universität in Lusaka und ist mit Esther Lungu verheiratet. Er ist nun der sechste Staatspräsident der Republik Sambia und gehört zur Partei der „Patriotic Front“.

Herzliche Grüße, Ihr Werner Huber, Vorsitzender